Nachtgedanken

Ich habe vor einigen Jahren auf irgendeinem schnell zusammengeklopften Tumblr-Blog ein paar persönliche Gedanken niedergeschrieben. Der Text war voller Rechtschreibfehler, aber ich habe mir dort eine Menge Frust von der Seele geschrieben. Einige, die mir auf Twitter seit längerer Zeit folgen, werden sich erinnern.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ich konnte mein Studium abschließen, bin jetzt in einem mittelgroßen Verlagshaus tätig. Ich hause nicht mehr in einem kleinen, versifften Loch, bin jetzt in eine angenehm große und gemütliche Wohnung gezogen, die ich nach meinem persönlichen Geschmack einrichten kann und konnte.

Doch in der Zwischenzeit erlebte ich wahrscheinlich eine der schlimmsten Phasen. Von Frühjahr bis Herbst 2016 arbeitete ich an den letzten Prüfungen und der Bachelorarbeit. Selten habe ich so viel Druck verspürt, so viel Angst vorm Scheitern. Es gab Tage, wo ich teilweise bis spätnachmittags im Bett lag, mich mit meinen Sorgen allein gefühlt habe. Irgendwann wurde der Druck so groß, dass ich mir schon ausgemalt habe, das Studium auf den letzten Metern abzubrechen. Hinzu kamen weitere negative Gedanken. Ich fühlte mich abgehängt, hatte den Kontakt zu Kommilitonen verloren, wusste nicht, wie ich neue Freunde vor Ort gewinnen soll. In mir baute sich Frust auf. Fast alle in meinem Alter sind unterwegs, erleben was. Ich hockte nur in meinem stillen Kämmerlein.Mit meiner Familie habe ich nie über diese Sorgen gesprochen, auch habe ich das Wort „Depression“ nie in den Mund genommen. Ich habe mich aber an einen Therapeuten gewandt. Hilfreiche Gespräche geführt. Er hat mir Wege gezeigt, mich selbst zu motivieren, den Willen zu gewinnen, nicht aufzugeben, mich mehr einzubringen.

Wichtigster Tipp war allerdings, mir feste Tagespläne anzulegen, den Tag klar zu strukturieren und zu nutzen. Ich habe wieder Motivation gewonnen, meine Bachelorarbeit mit einer guten Note abgeschlossen, war zufriedener. Später hatte ich wieder mehr Kontakt mit alten Freunden,  habe mich erfolgreich auf ein Volontariat beworben, bin jetzt sicherlich etwas ausgeglichener.

Und doch sind diese negativen Gedanken nie ganz weg. Seien es Momente, in denen man sich aus dem Nichts heraus allein gelassen fühlt, keinerlei Energie für irgendwelche kreativen Ideen hat. Und hinterher mache ich mir wieder Vorwürfe, eben nicht kreativ geworden zu sein, nur das „Nötigste“ zu machen, zu vereinsamen. Ein weiteres Problem ist immer noch eine gewisse Schüchternheit. Nervosität, anderen Menschen gegenüber, Selbstzweifel am eigenen Äußeren, Verhalten, der eigenen Intelligenz, der Art und Weise, wie man auf andere Menschen wirkt. Nicht abstellbar. Stets vorhanden.

Diese Gedanken sind schwer zu kontrollieren, das geht nicht so schnell weg. Und dennoch habe ich in den vergangenen Monaten gelernt, wieder mehr Hoffnung zu gewinnen, mehr Energie zu investieren. Ich versuche, mir in der aktuellen Stadt durch verschiedene Hobbies einen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen, aber das ist schwieriger getan als gesagt. Ich kann zumindest sagen, dass die Bausteine vorhanden sind. Dass es sich gelohnt hat, nicht aufzugeben, nach vorne zu schauen, nicht nach Halt zu suchen, sondern sich selbst Halt zu geben.

Ich möchte das nur mitteilen. Und weiter an mir arbeiten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s