Der Hobbit: Smaugs Einöde (2013)

Mit langer Verspätung habe ich im März endlich den „Hobbit“ von J.R.R. Tolkien gelesen. Der leichtfüßige Erzählstil, die damals kreativen und wunderschönen Motiven, dieser beinahe märchenhafte, verträumte Blick auf ein Mittelerde voller Gefahren und Wunder, all dies hat mich beim Lesen gefesselt und begeistert.

Ähnlich begeistert war ich, ohne das Buch zu kennen, als ich 2012 den ersten Teil der Filmtrilogie von Peter Jackson im Kino sah. Ich war gefangen von der Bildkraft, der großartigen Musik und den warmen Farben, die komplett im Kontrast stehen zu den visuellen Trends der heutigen Filmwelt. Dem entsprechend schmalzig war auch meine damalige „Kritik“ , die ich auf einem älteren „Blog“ hochgeladen habe. Und im Nachhinein ist mir dieser Text besonders peinlich. Er trieft förmlich mit seinem Fanboy-Gelaber und ich habe mich damals schnell in ekelhaften Superlativen verloren.
Der erste „Hobbit“ ist bei weitem kein schlechter Film, aber nach der zweiten und dritten Sichtung muss ich zugeben, dass sich einige Passagen langatmig anfühlen, die Effekte sehr schlecht und sehr schnell gealtert sind und der von den Drehbuchautoren eingefügte Humor an einigen Stellen etwas albern wirkt (Auch, wenn er sicherlich ganz nach Tolkiens Geschmack gewesen wäre).

Mit einer entsprechend gemäßigten und gedämpften Erwartungshaltung habe ich mir also den zweiten Teil, „Der Hobbit: Smaugs Einöde“, in der extended Edition auf BluRay, angeschaut und muss feststellen: Er ist deutlich besser als der erste Teil, aber hat einige Probleme, die mich als (jetzt) Kenner der Vorlage etwas irritiert haben.

Ohne also weiter sinnloses Zeug zu schwafeln und Internet-Druckerschwärze zu verschwenden, werde ich also die positiven und negativen Dinge vorstellen, die mir an „Smaugs Einöde“ aufgefallen sind.

Positives

Die Musik

Das ist vermutlich ein offensichtlicher Punkt, denn die Musik zu den Herr der Ringe-Filmen war bisher immer großartig und besticht durch die eingängigen und wunderbar zusammengestellte Melodien. Gerade im Vergleich zur „unerwarteten Reise“ waren die Melodien deutlich eigenständiger und haben sich nicht zu sehr auf bekannte Motive wie das „Ring-Theme“ oder die gute alte Titelmusik aus Beutelsend verlassen. Howard Shore hat auch bei seiner mittlerweile fünften Vertonung der Welt von Mittelerde wieder ganze Arbeit geleistet.

Die Kulissen und das Design der Welt

Auch auf der rein visuellen Ebene bildet der Film eine deutliche Steigerung gegenüber dem ersten Teil der Trilogie.  Abseits der Ork-Stadt, die wegen dem allgemeinen CGI-Overload leider nicht so schön aussah und nicht zur Geltung kam, wurde, so war zumindest mein Eindruck, vieles aus der Ring-Trilogie wiederverwertet und wenig neue optische Eindrücke geboten.  In „Smaugs Einöde“ wird dies korrigiert. Seien es der knorrige und sterbende Düsterwald, die Ruinen und Kerker von Dol Guldur, die warm und verwunschen wirkenden Kulissen im Waldelben-Palast, oder die leeren Hallen von Erebor selbst: Jede Ort hat eine eigene Identität, eigene Zeichen von Kultur und Architektur und spiegelt auch das wider, was Tolkien in seinen Büchern beschrieben hat. Man lernt viel über die dort lebenden Völker und Menschen, über Geschichte und Vergangenheiten, ohne dass es wortwörtlich ausgesprochen wird. Auch „kleinere Orte“ wie das Haus von Beorn oder die rumpeligen Häuser der Seestadt wirken liebevoll eingerichtet und erwecken den Eindruck einer nachvollziehbaren Lebensumgebung für ihre Bewohner.

Ork-Kostüme

Das könnte man vielleicht ebenfalls im obigen optischen Department einordnen, aber die Tatsache, dass es in diesem Film tatsächlich einige Kampfszenen gibt, in denen echte Schauspieler in vernünftigen Ork-Kostümen agieren, die noch dazu genau so aussehen wie in der Ring-Trilogie, ist ein großer Schritt. Im Vorgänger musste sich der Zuschauer ausschließlich die PS2-FMV-Orks antun. Im zweiten Teil sehen zwar auch diese besser aus, aber insgesamt stechen die Kampf-Szenen mit kostümierten Schauspielern im Vergleich mit den CGI-Figuren deutlich hervor und wirken überzeugender.

Smaug, Bard und Thranduil

 

Abseits vom Hauptcast um die Zwerge (insbesondere Richard Armitage als Thorin, Ken Stott als Balin, Graham MacTavish als Dwalin und Aidan Turner als Kili) sowie Ian McKellen als Gandalf und Martin Freeman als Bilbo gab es auch in diesem Film einige Nebenfiguren, die den Cast bereichert haben und sicherlich zu dein Höhepunkten des Films gehören.

Geht man von den Haupt-„Gegenspielern“ und Helfern der Zwergenbande aus, gibt es in der Regel wenig zu bemängeln, wenn man die Orks um Bolg und Azog ignoriert.

Benedict Cumberbatch als Smaug und Necromancer liefert vermutlich eine der besten Motion Capture-Performances der letzten Jahre ab und begeistert durch seine grandiose Arbeit mit seiner Stimme. Es wird deutlich, wie viel Motivation und Liebe zu der Figur von dem Schauspieler ausgeht. Smaug ist ein hochintelligentes Wesen mit einer ungesunden Dosis Gier und Arroganz, doch Peter Jackson vergisst nicht, ihm eine animalische und bestienhafte Seite zu verleihen. Die schauspielerische Leistung hinter der Figur wird ergänzt durch einen großartigen ersten Auftritt und tolle Effekte zwischen Goldlawinen und Feuerfontänen.

Lee Pace ist auch in diesem Film wieder als Thranduil zu sehen. Wirkte er zuvor noch relativ „blass“, wird seiner Rolle dieses Mal deutlich mehr Raum und Tiefegegeben, gerade im Vergleich zum Roman. Auch wenn seine eigentliche Motivation im Streit um Erebor sehr schwach ist (Im Film giert Thranduil nach weißen Edelsteinen, im Buch geht es noch um ungelieferte Rüstungen und Waffen von den Zwergen), wirkt er hier zumindest wie ein ausgereifter Charakter, der sich lediglich um die Sicherheit und den Wohlstand seines Volkes kümmert und die Isolation gegenüber der Weltpolitik bevorzugt, ohne sich zunächst der Folgen, die das für sein eigenes Volk haben könnte, bewusst zu sein.

Bard, einer der wichtigsten Charaktere am Ende des Buchs, erhält durch die Bearbeitung von Jackson endlich eine richtige Persönlichkeit. Mehr Dialogzeilen, mehr Raum in der Handlung und eine ausgefüllt dargestellte Lebenssituation als Seeschiffer lassen die Figur deutlich nachvollziehbarer wirken, als es noch in der Vorlage der Fall war. Luke Evans‘ Rolle wird dargestellt als Familienmensch, der damit umgehen muss, dass die Obrigkeiten der Seestadt seinen Vater dafür verantwortlich machen, dass Dale durch die Flammen von Smaug in Asche verwandelt wurde. Dennoch bewahrt sich Bard in dieser Version einen Gerechtigkeitssinn und seiner Abneigung gegen das Vorhaben der Zwerge wird etwas mehr Gewicht und Hintergrund gegeben. Bard wird stärker in die politischen und gesellschaftlichen Spannungen innerhalb der Seestadt eingebunden und Evans darf ein paar starke Dialogszenen mit Thorin und dem „Meister“ der Seestadt (gespielt von Stephen Fry) führen. Diese Szenen gehören mit zu den besten Stellen des Films, auch wenn sie so in dieser Art nie im Buch vorkamen.

Legolas und Tauriel

Apropos „so nie in dieser Art im Buch vorkommen“: Legolas und Tauriel gehören neben den bereits erwähnten Orks zu den kontroversen Charakteren, die nachträglich in die Handlung eingeführt wurden. Ein nicht unerheblicher Teil des Films kündigt sogar eine Art Liebes-Dreieck zwischen Legolas (Orlando Bloom), dem Sohn von Elbenkönig Thranduil, Tauriel (Evangeline Lilly), der Anführerin der königlichen Garde und Kili (Aidan Turner) an. Und auch wenn ich gerade diesen Aspekt der Handlung nicht in jedem Punkt nachvollziehen kann, ebenso wie den dadurch erzwungenen Kampf zwischen Elben und Orks bei der Fass-Szene oder später in der Seestadt, hat die Einbindung dieser beiden Figuren einige positive Aspekte. Zum einen wird den Elben dadurch etwas mehr Charakter gegeben und Thranduil und die wenigen Bediensteten bleiben nicht die einzigen benannten Figuren in diesem Abschnitt der Handlung. Außerdem bildet Evangeline Lilly, neben den ebenfalls nachträglich eingefügten Kate Blanchett als Galadriel und der Familie von Bard eine der wenigen weiblichen Figuren in dieser ansonsten von Männern dominierten Handlung. Das Ergebnis spricht für sich: Man bekommt nicht nur eine relativ interessante Jägerin/Kriegerin mit eigenen Motivationen und einer eigenen Haltung zur Expedition der Zwerge, sondern darf zufrieden sein, dass durch die dabei entstehenden Subplots diversen Charakteren mehr Tiefe und mehr Interaktion zugestanden wird.

Dabei kommen aber auch negative Aspekte bezüglich Legolas zu Tage: Während Evangeline Lilly sehr enthusiastisch und motiviert in ihrer Rolle aufzugehen scheint, ist nicht nur das Make-Up von Orlando Bloom grauenhaft (der Versuch, ihn ähnlich jung aussehen zu lassen wir in der Ring-Trilogie, scheitert kläglich), in einigen Dialogen wirkt er nicht sehr motiviert und stelzt sich eher von Satz zu Satz.

Aber wenigstens darf er in diversen sinnlosen Kampfszenen seinen Bogen auspacken und seinen Killstreak-Rekord steigern.

Was nervt/stört/nicht funktionierte

Bei all den vorher genannten positiven Dingen gibt es aber auch leider so einige Sachen, die mich gestört oder sogar wütend gemacht haben. Dazu gehören einige Änderungen an der Handlung, aber auch eher enttäuschende Umsetzungen des vorhandenen Materials.

Gandalfs Abenteuer im Dark Souls-Dungeon

Ian McKellen als Gandalf ist und bleibt der beste Teil der Herr der Ringe-Filme. Es wird keinen Schauspieler geben, der diese Rolle besser umsetzt und ihr so viel Ausdruck verleiht. Einerseits ein warmherziger und väterlicher Freund für Bilbo und später Frodo, andererseits ein nachdenklicher, bisweilen auch bedrohlicher Magier, der stets seine eigene Agenda im Hinterkopf hat und bis zur Selbstaufgabe daran arbeitet, seine Welt besser zu machen.

Und wie ich bereits erwähnt habe: Seine Abenteuer in Dol Guldur sehen wirklich super aus. Tolle Effekte, tolle Kameraeinstellungen, sehr schöne Kulissen und Umgebungen.  Leider wurde ich von dem, was dort passiert, sehr enttäuscht. Auch wenn das, was passiert ist, nicht nur eine wichtige leere Stelle in der Handlung gefüllt und einen wichtigen Bogen zu Sauron und den Ereignissen in der Ringtrilogie geschlagen hat, so langatmig und spannungslos wirkten einige Stellen. Dass Gandalf seinen alten Freund (und Thorins Vater) Thrain in den Ruinen gefunden hat, war vorhersehbar und durch den schnellen Tod des verwirrten Zottelzwergs ziemlich sinnfrei. Und auch der Nekromant als solches bleibt ein gesichtsloses Wesen, während den Orks als individuelle Fraktion durch die plötzliche Anwesenheit von Sauron das gerade gegebene Gesicht wieder geraubt wird. Aus Azog und Bolg als individuelle Gegenspieler werden bloße Handlanger, deren Rollen in diesem Film sogar noch stärker reduziert werden und beliebiger erscheinen. Und wenn Azog anscheinend alles daran setzte, um das Geschlecht des Durin auszulöschen, warum hat er dann nicht Thrain getötet, den er anscheinend vor Gandalf in Dol Guldur angetroffen hat. Der ganze Film wirkt insgesamt dadurch etwas überladen, was „Bösewichte“ anbelangt. Insbesondere die vielfältigen Kampfszenen gegen Orks sollen lediglich unnötigen Druck in eh schon spannende Szenen der Handlung bringen und lassen diese unbezwingbare böse Masse aus den Ringkriegen weniger wie eine Bedrohung und eher wie eine kopflose Horde wirken. Ich erwartete für Gandalfs Subhandlung zwar ähnliche Konsequenzen (Thrain wird gefunden, Sauron beschworen, die Ringgeister tauchen auf), wurde aber von der spannungslosen Umsetzung enttäuscht.

Beorn

Mikael Persbrandt, schwedischer Schauspieler, passt eigentlich relativ gut in die Rolle. Dummerweise sieht sein Make-Up so aus, als hätten Wolverine und Hank McCoy es irgendwie geschafft, ein gemeinsames Kind zu Zeugen. Wenn dieses Kind dann Intercourse mit einem Dachs gehabt hätte, und dieser Dachs hätte ein Junges bekommen, dann sähe es so aus wie Beorn in „Smaugs Einöde“. So wirkt der Gestaltwandler eher lachhaft und bemitleidenswert statt wirklich wie ein gleichsam grimmiger und misstrauischer Gastgeber, dessen Respekt man sich verdienen muss. Seine Nähe zur Natur, seine Bedeutung für seine Heimatregion, all dies wird wie zuvor auch die Würde des Adlervolkes unter den Teppich gekehrt. Stattdessen ist er plötzlich „der letzte seiner Art“, ein Folteropfer und bekommt erstaunlich wenig Screentime am eher holprigen Anfang des Films. So nimmt dieser eigentlich wichtige und positive Teil der Handlung einen ähnlichen unwichtigen Teil ein wie der seltsame Cameo von Galadriel (Kate Blanchett).

Thorins‘ Verhalten und der Morgul-Pfeil

So sehr ich mag, wie den Zwergen in den beiden ersten Hobbit-Filmen Charakter gegeben wird und wie die Schauspieler dies umsetzen, so haben mich gleichzeitig zwei Dinge an unser aller Lieblings-Raidgruppe auf dem Weg zum Endboss Smaug gestört. Insgesamt hat mich vieles an Thorins‘ Verhalten in diesem Film gestört. Klar ist, dass seine Gier nach dem Arkenstein und die „Krankheit“ die auch seine Vorväter befallen hat, auch im Buch ein großes Thema ist und ihn mehr und mehr manipuliert und auffrisst. Dennoch scheint dies im Film nicht für eine fließende Wandlung seines Charakters zu sorgen, sondern für seltsame Schwankungen. So ist er mal der alte Anführer, mal grantig, dann wieder fähig Dankbarkeit gegenüber Bilbo zu zeigen und dann wieder ein empathieloser Sack. Diese Momente kommen jedoch nicht zu Zeiten, in denen es sinnvoll erscheint, sondern scheinbar willkürlich und nicht nachvollziehbar.

Der zweite Punkt wäre der Morgulpfeil, der Kili ins Bein trifft und dafür eine Kette von Nebenhandlungen einleitet. Nicht nur sorgt dies für unnötiges Drama wo es nicht nötig gewesen wäre (man hätte ihn beispielsweise beinahe ertrinken und ihn dadurch in Not geraten lassen), es sorgt gleichsam dafür, dass die Gruppe auseinander gerissen wird und einige Figuren keinerlei Teilhabe an ihrem wichtigen Unterfangen, das ihre ganze Expedition begründet, der Eroberung von Erebor, haben können. Zwar wird dadurch sowohl Kili, Fili, Bofur als auch Bard mehr Zeit für Charakterentwicklungen gegeben und auch Tauriel bekommt ein paar coole Kampfszenen, aber insgesamt wirkt auch dieser Teil der Handlung eher sinnfrei und willkürlich eingefügt, um „den Hobbit“ noch etwas tauglicher für Hollywood zu machen.

Die Szenen im Düsterwald

Eine kontroverse Änderung im Film wurde zum Glück vor Kinostart verworfen

Nicht missverstehen: Ich halte den Wald selbst und die Kulissen für sehr gelungen und auch die Kampfszene mit den Spinnen war, typisch für Peter Jacksons-Filme (Die Ring-Trilogie, King Kong) gruselig und spannungsgeladen, nahezu grotesk an manchen Stellen. Doch der Weg dahin war verwirrend und das Verhalten der Figuren nicht nachvollziehbarer. Die narkotische, einschläfernde Wirkung des Waldes und seines Wassers wurde nicht deutlich gemacht, es fehlte die namensgebende Dunkelheit und der durch die Reise verursachte Hunger und die verwunschenen Feste der Elben sind einfach verschwunden.  Dadurch wird auch der Hass von Thorin gegenüber den Elben nicht so viel Raum wie im Vorgängerfilm gegeben, was sein Verhalten in späteren Szenen im Schloss der Waldelben etwas verwirrender für unwissende Zuschauer machen dürfte.

Der Anfang und das Ende

Kurze Frage: Hat Tolkien jemals geschrieben, das sich Gandalf und Thorin bei ihrem ersten Aufeinandertreffen im „Tänzelnden Pony“ in Bree begegnet sind? Und wie genau ist die Gruppe von dem meterhohen Felsplateau abgestiegen, auf dem sie am Ende von „Eine unerwartete Reise“ von den stumm gewordenen Adlern abgeworfen wurden? Abseits dieser seltsamen Sprünge und Einschübe gestaltet sich der Anfang des Films selbst in der extended Edition extrem gehetzt und wenig nachvollziehbar. Handlungsteile, wie der oben behandelte Düsterwald, werden nur überflogen oder schlecht umgesetzt und es dauert eigentlich bis zum Auftritt der Elben, das der Film in geordnete Bahnen gelenkt wird und mich als Zuschauer unterhalten konnte.

Die zuvor genannten Probleme wären vielleicht zu verschmerzen gewesen, wenn das Ende des Films nicht ähnlich wirr und inkonsistent gewesen wäre. Einerseits war es zu begrüßen, dass zwischen Smaug und den Zwergen ein tatsächlicher Kampf entbrannte. Dass der Drache getötet wurde, ohne dass es zu einer tatsächlichen Konfrontation mit den Zwergen kam, war eine meiner großen Enttäuschungen am Buch, zu der der dann auch noch charakterlose und kurzfristig vorgestellte Bard beitrug. Dennoch wurde dieser Kampf in die Länge gezogen und wirkte trotz einer großartiger Momente (die Schmiede und das nachfolgende Goldbad) langatmig und an einigen Stellen, kaum vorstellbar für einen Drachenkampf, übertrieben. Gut war auch, dass Smaug das Dorf nun nicht mehr aus reiner Willkür und einer bloßen Vermutung heraus angriff, sondern um gezielt Rache an den Zwergen zu üben und sie mit einer Schuld zu strafen, bevor er sich ihnen widmen würde. Dennoch litt der Film an dieser Stelle sehr unter den Änderungen und das „Mittelerde-Gefühl“ wich plumper Hollywood-Action aus der Dose. Trotz der Tatsache, dass der komplett mit Gold überzogene Smaug und die danach folgenden Worte von Benedict Cumberbatch für einen weiteren späten optischen und auditiven Höhepunkt des Films sorgten. Dabei gibt es jedoch nur noch einen Haken. Der Film endet auf einem absolut miesen Cliffhanger. Smaug fliegt auf die Stadt zu, Bilbo murmelt irgendwas von „Was haben wir getan!“ und der Film endet einfach. Man wird als Zuschauer unzufrieden zurückgelassen und die vom Studio beschlossene Dehnung der Handlung auf drei Filme wirkt mit den ganzen Additionen zur eigentlichen Geschichte umso dreister.

Fazit:

Insgesamt zeigt sich also ein relativ negatives Bild, wenn man rein von der Treue zu Vorlage und Figuren ausgeht. Vieles wirkt sinnlos, viele Ebenen im Film sind überladen, einige Momente scheinen nur der Action zu dienen statt die Handlung zu bereichern. Ganze Charaktere wirken überzeichnet, Motivationen sind geschwächt und einige Figuren sogar vollkommen verballhornt und verschwendet, beispielsweise Beorn, Thrain, der namenlose Necromancer oder die belanglosen Azog und Bolg oder die in diesem Film komplett vergessenswürdigen Galadriel und Radagast.
Und doch kann ich nicht unbedingt sagen, dass „Smaugs Einöde“ rein überhaupt nichts taugt. Ich weiß nur, dass ich meine Erwartungshaltung zum dritten Film herunterfahren muss. Wer eine wirkliche Umsetzung der Welt von Mittelerde erwartet, wird von dieser Trilogie enttäuscht werden. „Der Hobbit“ ist in erster Linie gutes Popcorn-Kino, das eher mit den Vorraussetzungen seiner Vorlage kämpft und daran verzweifelt, aus einem Abenteuer-Roman ein High Fantasy-Epos zu machen. Ich frage mich jetzt nur, wie Peter Jackson die letzten 70 Seiten Handlung zu einem kompletten dritten Teil verwursten konnte. Immerhin entspricht dies lediglich einem knappen Fünftel oder Sechstel des Buches.

 

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Ein Gedanke zu “Der Hobbit: Smaugs Einöde (2013)

  1. Wow, das ist ja eine ausführliche Kritik. Ich fand den zweiten Teil am besten (https://filmkompass.wordpress.com/2014/01/03/the-hobbit-the-desolation-of-smaug-omu-2013/). Kein langweiliges Vorgeplänkel wie noch in EINE UNERWARTETE REISE.

    Dafür wurde ich dann mit DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE unfassbar enttäuscht. Mehr noch: Meine Begleitung und ich haben zusammen mit den anderen Zuschauern im Kino den Film gemeinschaftlich ausgelacht. Weil einfach nichts gestimmt hat. Weil die Handlung nicht plausibel war. (https://filmkompass.wordpress.com/2014/12/26/the-hobbit-the-battle-of-the-five-armies-omu-2014/) Ein Fantasyfilm muss es erstmal schaffen, dass man ihn nicht für voll nimmt.

    Gefällt 1 Person

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