Kurzkritik: Cargo (2009)

Das Jahr 2267. Die Erde ist unbewohnbar geworden. Mißwirtschaft, Umweltsünden und der Ausbreitungsdrang der Menschheit haben die Böden unfruchtbar und den sauren Regen unerträglich gemacht. Auf einer Raumstation, die im Orbit kreist, haben sich abermillionen Überlebende eingefercht, an eine Rückkehr ist nicht mehr zu denken. Neonreklamen werben für eine neue Zuflucht. Rhea, so der Name des Planeten im weit entfernten Proxima Centauri-System, verspricht blaue Himmel, Platz und Nahrung für Alle. Die Ärztin Laura Portmann (Anna Katharina Schwabroh, Theaterschauspielerin) gehört zu diesen Menschen, die Rhea zu ihrer neuen Heimat machen wollen. Sie will ihrer Schwester auf den Planeten folgen und heuert dazu auf dem Raumfrachter Kassandra an, der Baumaterial zur Raumstation 42 liefern soll. Dort soll im Auftrag des Kuiper-Konzerns ein Transportnetzwerk entstehen, das die Reise nach Rhea beschleunigen soll. Unterdessen rebelliert die Terrorgruppe „Maschinenstürmer“ gegen den Kuiper-Konzern. Die genauen Intentionen der Gruppe liegen zu Beginn des Films im Dunkeln. Wegen der Terrorgefahr ist Samuel Decker (Martin Rapold) als Sicherheitsmann mit an Bord.

So beginnt für Laura eine insgesamt auf 8 Jahre ausgelegte Mission durch die Tiefen des Alls. Um die Zeit zu überbrücken hält die Mannschaft Kälteschlaf. Die Crewmitglieder werden dabei in Wachschichten mit jeweils 8 Monaten Dauer eingeteilt. Als dann, drei Jahre und 8 Monate nach Beginn der Mission, Laura ihre Schicht beginnt, spielen sich merkwürdige Dinge auf dem Schiff ab. Schnell wird klar: Im Bauch des Schiffes scheint deutlich brisantere Fracht gelagert zu sein, als die Mission vorgibt, und noch dazu macht irgendetwas Jagd auf die Crewmitglieder.

„Cargo“ ist ein ambitionierter, interessanter SciFi-Thriller aus schweizerisch-deutscher Produktion. Die Regisseure Ivan Engler und Ralph Etter inszenierten diese dystopische Zukunft in weiten Teilen als futuristisches Kammerspiel. In nur wenigen Kulissen soll sich Spannung aufbauen, während Laura immer mehr Geheimnisse über das Schiff, die Besatzung, den Sicherheitsmann Decker und schließlich auch über die vermeintliche Zuflucht Rhea und die menschliche Zivilisation aufdeckt. Lange Segmente des Films leben durch eine stille und beklemmende Atmosphäre, die besonders durch die in vielen Szenen gelungene Kameraarbeit, gute musikalische Unterstützung und die visuelle Gestaltung des Raumschiffs verstärkt wird. Die engen und metallischen Korridore des Schiffs sind nur spärlich beleuchtet, regelmäßig fällt der Strom aus, Kühlwasser trieft durch Wartungskorridore. Wer Cargo sieht, wird sich sicherlich an vergleichbare Szenen aus Alien erinnert fühlen. Und dennoch finden sich einige kreative Aufnahmen, die man sich als Poster an die Wand hängen könnte und den Film in einigen Punkten einzigartig erscheinen lassen.

Dass der Film insgesamt 9 Jahre lang in Arbeit war und nur ein sehr beschränktes Budget von fünf Millionen Schweizer Franken hatte, ist jedoch an einigen Stellen spürbar. Die Qualität der CGI-Effekte schwankt unregelmäßig zwischen PSone-FMV und Hollywood-Niveau und die Dialoge sind oftmals relativ flach während die Handlung kaum fahrt auf nimmt. Das macht sich an ziemlich unlogischen Fehlern der Figuren ebenso fest wie an einer lieblos eingeschobenen Romanze und einer relativ vorhersehbaren Wendung.

Der größte Fehler des Films scheint aber wohl die Hauptfigur zu sein. Obwohl Laura Portmann eine relativ nachvollziehbare Motivation besitzt, zeigt Schauspielerin Anna Katharina Schwabroh kaum Emotionen und murmelt ihre Sätze so antriebslos daher, dass man als Zuschauer kaum in die Handlung involviert wird. Diese Problematik spürt man besonders, wenn sich Schwabroh die Szene mit etwas motivierter daherkommenden Nebendarstellern wie Claude-Oliver Rudolph („Das Boot“, Serien „Der Alte“ und „SOKO Stuttgart“), Regula Grauwiller („Tatort: Skalpell“, „Gran Paradiso“) (als erste Offizierin des Schiffs) oder Pierre Semmler (TV-Serie „Nachtschicht“) teilt.

Am Ende bleibt ein Film, der visuell einige wenige Überraschungen zu bieten hat, mit einer klassischen Prämisse beginnt, aber sich dann im Laufe der Handlung in einem Wirrwarr aus Unlogiken und trägen Dialogen verliert, ohne wirklich Fahrt aufzunehmen oder Spannung aufzubauen. Wer aber darüber hinwegsehen kann, dass einige Darsteller kälter daherkommen als der Weltraum, kann mit einem netten SciFi-Thriller einen angenehmen, unaufgeregten Abend verbringen. Da ist es zu verschmerzen, dass „Cargo“ nicht alle Ambitionen, die sich die Macher des Films gesetzt haben, erfüllen kann.

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